Kooperatives Lernen

Kooperatives Lernen beschreibt strukturierte Lernformen, bei denen SchülerInnen gemeinsam und zielgerichtet arbeiten.  Klare Rollen, Regeln und Zielsetzungen sind dabei relevant. Es ist demnach mehr als das blosse Gruppenlernen, da es systematisch soziale und kognitive Lernprozesse fördert. Kooperatives Lernen bedeutet also, dass SchülerInnen gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Das voneinander und miteinander Lernen ist dabei zentral. So ist jedes Kind aktiv beteiligt. Es geht nicht nur ums „Zusammenarbeiten“, sondern darum, dass alle ihren Beitrag leisten und alle voneinander profitieren. Im Zentrum steht dabei die gegenseitige Unterstützung, die Verantwortung für sich und die Gruppe zu übernehmen und dass soziale und fachliche Entwicklung gleichzeitig funktionieren kann.

Studien zeigen, dass kooperatives Lernen deutlich bessere Lernergebnisse erzielt als Frontalunterricht oder individuelles Lernen. Das kooperative Lernen ist leistungsfördernd, besonders bei Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten. Kooperativ lernende Gruppen erreichen bessere Problemlösungsfähigkeiten und tiefere inhaltliche Verarbeitung. SchülerInnen empfinden durch kooperative Lernformen mehr Freude am Lernen und sie engagieren sich stärker (nach Johnson & Johnson und Hattie). Kooperatives Lernen basiert auf der Idee, dass Lernen in sozialen Prozessen geschieht, nicht nur im Kopf des Einzelnen. Ganz nach der Idee alle für eine/n, eine/r für alle.

 

Beim kooperativen Lernen können verschiedene Bereiche des sozialen Lernens eingeübt werden. Dazu gehören folgend Punkte:

  • Kinder lernen, auf andere einzugehen.
  • Sie entwickeln / verbessern ihre sozialen Kompetenzen (z.  zuhören, Kompromisse finden)
  • Alle werden aktiviert – auch ruhigere Kinder
  • Das Klassenklima verbessert sich
  • Wissen wird tiefer verstanden, wenn man es anderen erklärt

Folgende Punkte sind dabei wichtig. 

  1. Positive Abhängigkeit – Alle brauchen einander, um die Aufgabe zu lösen
  2. Individuelle Verantwortung – Jede/r bringt etwas ein
  3. Förderliche Interaktion – Miteinander sprechen, erklären, helfen
  4. Soziale Fähigkeiten – z.  Diskussionen führen, Konflikte lösen
  5. Reflexion – Was lief gut? Was können wir verbessern?

Nachfolgend werden einige Einsatzmöglichkeiten beschrieben. Bevor mit den Kindern in den kooperativen Situationen geübt wird, lohnt es sich die Methoden gut einzuführen. Es lohnt sich ebenfalls, soziale Regeln gemeinsam mit den SchülerInnen zu erarbeiten:

– Wie hören wir einander zu?
– Wie geben wir Feedback?
– Was tun wir, wenn jemand nicht mitmacht?

So lernen Kinder nicht nur mit, sondern auch füreinander – das ist das Herzstück kooperativen Lernens.

 

Think – Pair – Share (Nachdenken – Austauschen – Teilen)

  1. Think: Die SchülerInnen denken einzeln über eine Frage oder Aufgabe nach (ca. 1–2 Minuten, evtl. schriftlich).
  2. Pair: Austausch zu zweit über eigene Gedanken zur Frage / Aufgabe (2–4 Minuten).
  3. Share: Einzelne stellen ihre Ergebnisse im Plenum vor.

Einsatzmöglichkeiten:
– Einstieg in ein Thema
– Meinungsbildung
– Vorwissen aktivieren
– Fragen nach einem Text, Bild oder Film beantworten

Vorteil:
Alle SchülerInnen sind aktiv, niemand kann sich „verstecken“. Auch schüchterne Kinder kommen zu Wort. Bevor etwas im Plenum erklärt wird, kann man seine Ideen mit jemandem austauschen. Für mich ist dies das Herzstück des kooperativen Lernens.

Placemat-Methode

  1. Ein DIN-A3-Blatt wird in vier Felder (je ein Feld pro SchülerIn) und ein gemeinsames Mittelfeld unterteilt.
  2. Jede/r bearbeitet die Fragestellung individuell und schreibt die eigenen Gedanken in das persönliche Feld.
  3. Danach diskutiert die Gruppe und formuliert eine gemeinsame Antwort oder Lösung im Mittelfeld.

Einsatzmöglichkeiten:

– Meinungsfragen („Was bedeutet für mich Gerechtigkeit?“)
– Kreatives Schreiben („Wie könnte die Geschichte weitergehen?“)
– Mathe: verschiedene Rechenwege vergleichen
– Natur-Mensch-Gesellschaft: Pro- und Kontra-Diskussionen

Vorteil:
Jede Meinung zählt, keine Idee geht verloren – und es entsteht ein Gruppenergebnis.